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Durga und Trauma 2




Ein Trauma wird nicht geheilt. Denn Heilung bedeutet in unserem westlichen Sprachgebrauch oft nur: Der Mensch wird wieder zum Funktionieren gebracht.

Traumata können jedoch integriert werden.
Dann verlieren sie nicht nur ihre zerstörerische Macht. Manchmal werden sie sogar zu einer Quelle von Mitgefühl, Wachheit und innerer Reife.
Aber was bedeutet Integration?
Es gibt keinen Sieg über ein Trauma.
Keine Hollywood-Schlusssequenz.
Kein triumphales Finale.
Die eigentliche Überraschung besteht vielmehr darin, dass das Trauma seine Größe verliert.
Auf diesem Bild zerdrückt Durga beinahe beiläufig den Büffeldämon Mahishasura, der zur Mücke geworden ist.
Das ist seine letzte Gestalt.
Angst, Ohnmacht, Wut, Scham und Verzweiflung erscheinen nicht länger als eigenständige Mächte, die über das Leben herrschen. Sie werden als Schattenanteile des Ichs erkannt.
Sobald das Ich bereit ist, den Schatten anzuschauen, verliert dieser seine dämonische Übermacht.
Er kann noch stechen.
Aber nicht mehr verheeren.
In dieser letzten Gestalt tötet Durga den Dämon der südindischen Überlieferung nicht durch einen heroischen Endkampf.
Sie zerdrückt ihn einfach.
Auf diesem Bild sind deshalb drei Gestalten zu sehen:
Der Dämon.
Durga.
Und wir selbst als Betrachter.
Durga blickt nicht auf den Dämon.
Sie schaut uns direkt in die Augen.
Und wir schauen zurück.
Wer betrachtet hier eigentlich wen?
Diese Erfahrung begegnete mir immer wieder in südindischen Tempeln. Für einen Augenblick entstand ein eigentümlicher Kipp-Punkt:
Schaue ich die Gottheit an?
Oder schaut sie mich an?
Im Shivaismus ist dies keine Nebensächlichkeit.
Denn sein Ziel ist nicht die Anbetung eines fernen Gottes, sondern die Erfahrung einer tiefen Identität zwischen dem Göttlichen und dem Menschlichen.
Vielleicht ist dies auch der Punkt, an dem C. G. Jung vom SELBST sprechen würde:
Etwas, das größer ist als das Ich.
Und doch untrennbar mit ihm verbunden bleibt.
Nicht als Auflösung der Person.
Sondern als ihre eigentliche Verwirklichung

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